Heinrich Heine und der Golzheimer Friedhof

Wo?

Wo wird einst des Wandermüden 
Letzte Ruhestätte sein? 
Unter Palmen in dem Süden? 
Unter Linden an dem Rhein?

 

Werd ich wo in einer Wüste 
Eingescharrt von fremder Hand? 
Oder ruh' ich an der Küste 
Eines Meeres in dem Sand?

 

Immerhin, mich wird umgeben 
Gotteshimmel, dort wie hier. 
Und als Totenlampen schweben 
Nachts die Sterne über mir.

Heinrich Heine (1797-1856)

 

Dieses Gedicht steht seit 1901 auf Heines Grab in Paris auf dem Montmartre. Entstanden ist es vermutlich zwischen 1830 und 1840, wurde aber nicht gedruckt, stammt also aus dem Nachlass Heines. Die Überschrift „Wo?“ ergänzte Adolf Strodtmann, ein Kämpfer der Deutschen Revolution 1848/49 und späterem Heine-Biographen. Dort ist zu finden, daß Heine an seinen Freund Christian Sethe am 1. September 1825 aus Norderney schrieb: „Es ist ein mißmüthiges Wetter, ich höre nichts als das Brausen der See – O läg ich doch begraben unter weißen Dünen. – Ich bin in meinen Wünschen sehr mäßig geworden. Einst wünschte ich begraben zu seyn unter einer Palme des Jordans.“  So wissen wir, daß der Ort mit den Palmen in seinen Phantasien am Ufer des Jordans liegt und die Dünen auf Norderney. Und "unter Linden an dem Rhein" ? 

Der Golzheimer Friedhof wurde 1805 eröffnet und wir wissen von Heine selbst, daß er dort war und diesen Ort gut kannte. Es liegen einige der ihm wichtigsten Personen seiner Jugend bis 1816 dort und hierher gedachte er auch müde zurückzukehren, nach seiner Lebens-Wanderung, in seine Heimatstadt Düsseldorf, wo er sein Grab "unter Linden an dem Rhein" wähnte. Es ist eben unser Golzheimer Friedhof gemeint, der nach dem Plänen von Maximilian Friedrich Weyhe zu Heines Zeiten noch direkt am Rhein lag. Ein prominentes Grab hätte unserer Stadt gut gestanden, die heute überlegt, ihrem Düsseldorfer Flughafen den Namen ihres größten Sohnes zu geben, dem es selber nicht vergönnt war durch die Wirren seiner Zeit, in der Heimaterde begraben zu sein. Wir begrüßen eine solche posthume Ehre, die den Namen "Heine", dem zwei Jahrhunderte Geächteten, in alle Welt hinaustragen würde.

Dr. Dieter Sawalies, 1. Vorsitzender